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WÜRTH Chair of Cultural Production

Research Projects

Kulturelle Bildung als Marke.

Project Description

›Kulturelle Bildung‹ ist als Bestandteil der Kulturförderung von Bund, Ländern und Kommunen, in Modellprojekten von Stiftungen und den Education-Abteilungen von Kultureinrichtungen allgegenwärtig: So soll kulturelle Bildung nicht nur zur Persönlichkeitsbildung von Kindern und Jugendlichen beitragen, sondern auch für die soziale Kohäsion der Gesellschaft, die Integration von Geflüchteten und Migranten und nicht zuletzt für ein jüngeres Publikum in den Kultureinrichtungen sorgen. Obgleich diese Wirkungsversprechen erst in Ansätzen empirisch untersucht wurden, scheint die Attraktivität des Themas für eine wachsende Zahl an Förderakteuren ungebrochen. Die ›Konjunktur‹ des Themas ist dabei zum einen auf die tektonischen Verschiebungen innerhalb der Kulturpolitik hin zu einem Akteursdreieck von Staat, Markt und Zivilgesellschaft zurückzuführen, zum anderen gewinnt dadurch das diskursive Element von Kulturpolitik an Bedeutung: So wird die Frage, welche Funktion Kultur für die Gesellschaft erfüllen soll, von den Diskursteilnehmern in kulturpolitischen Leitformeln, Förderdispositiven und Positionspapieren kontrovers verhandelt. Dass die Programmatik einer Bildung durch Kultur jedoch eine lange diskursive Tradition hat, wird in der heutigen Verwendung des Begriffs ›kulturelle Bildung‹ oftmals nicht transparent. Die Arbeit leistet erstens einen Beitrag zu einem Verständnis kultureller Bildung in historischer Perspektive: So liegen die Wurzeln einer Begründung kultureller Bildung als Aufgabe von Kulturpolitik in der ›Neuen Kulturpolitik‹ der 1970er-Jahre, die als Fundament für ein Verständnis von Kulturpolitik als Gesellschaftspolitik gelten darf. Gleichzeitig wurden durch die Etablierung eines eigenständigen Berufs- und Forschungsfeldes im Umfeld der ›Neuen Kulturpädagogik‹ Mitte der 1980er-Jahre die Grundlagen für eine institutionelle Verankerung der kulturellen Bildung geschaffen. Zweitens nimmt die Arbeit die heutige Akteurslandschaft kultureller Bildung mit den ihr zugrundeliegenden Leitsätzen und Motivationen in den Blick: Wie wird die Notwendigkeit einer Förderung kultureller Bildung begründet? Welche gesellschaftlichen Entwicklungen und politischen Ereignisse dienen als Impuls im Diskurs? Mittels einer Argumentativen Diskursanalyse und vor dem Hintergrund theoretischer Konzepte der Public Policy Analysis untersucht die Arbeit zum einen die strategische Verwendung von Sprache in den Argumentationen für kulturelle Bildung, zum anderen werden distinktive Sprecherpositionen und das Verhältnis der Akteure zueinander beleuchtet. Während einerseits eine Konzentration der Argumente auf ›das Individuum‹ und die Ausbildung von Schlüsselkompetenzen festgestellt werden kann, wird andererseits eine wachsende Abgrenzung der Akteure zueinander sichtbar, die auf das unterschiedliche Selbstverständnis der Akteure zurückzuführen ist und nicht zuletzt durch die aktuellen Entwicklungen hin zu einem ›Markt an Förderakteuren‹ intensiviert wird. Die ›Konjunktur‹ kultureller Bildung begründet sich in ihrer Anschlussfähigkeit an multiple Problemdefinitionen sowie im strategischen Handeln von Akteuren, die durch die Besetzung ›multiprofessioneller Funktionen‹ und die Etablierung von ›Kommunikationsgemeinschaften‹ Diskurshoheit in der Kulturpolitik erringen. Durch neue institutionelle Realitäten, wie Expertenräte, Forschungsinstitute und die Verstetigung von Modellprojekten, erzeugen die Akteure zudem nachhaltig Wirkung für das Thema in der politischen Öffentlichkeit. Die diskursive ›Konjunktur‹ kultureller Bildung gilt es jedoch auf ihre tatsächliche finanzielle Wirkmacht im Vergleich zu anderen Bereichen der Kulturförderung zu befragen: Kulturelle Bildung kann demnach vor allem als rhetorisches Erfolgskonzept verstanden werden, das durch die starke Präsenz von Interessengruppen an Aufmerksamkeit gewinnt.

Contact:

Project Duration

from 01.01.2014 through 31.12.2018

Project Head

Claudia Steigerwald

Project Execution



Financing





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