In der White Box wird zum Friedrichshafener Kunst-Freitag am 27. März die Ausstellung „Die Zeit danach – Friedrichshafen 1946“ eröffnet.
Hier soll ein wachsendes partizipatives Archiv entstehen, in dem zu unterschiedlichen Themenbereichen Dokumente, Bilder, Gegenstände und Aussagen von Zeitzeugen gezeigt werden. Die Ausstellung speist sich aus privaten und öffentlichen Archiven und neuen Medienaufnahmen. Themenbereiche sind dabei „Leben in Trümmern“, „Architekturen und Infrastrukturen des Übergangs“, „Zukunftsentwürfe“ und „Erinnern und Scham“. Gezeigt werden sollen Fotografien, Architekturentwürfe und Bebauungspläne der Stadt, Dokumente und Erzählungen, die deutlich machen, wie in dieser unmittelbaren Nachkriegszeit Zukunft gedacht wurde und wie sich das Verhältnis zur totalitären NS-Herrschaft entwickelte.
Für die Entwicklung des Ausstellungsdisplays konnte die aus Weißrussland stammende Künstlerin Marina Naprushkina gewonnen werden, die seit vielen Jahren durch ihre künstlerische Praxis Menschen zusammenführt, und dazu ermutigt, ihre eigenen sozialen und kulturellen Räume und Infrastrukturen zu schaffen – zuletzt ein vom Land Berlin aufgegebenes Strandbad, das nun als Kulturort wiedereröffnet werden konnte. Ihr Ausstellungsdisplay wird Naprushkina gemeinsam mit Studierenden aus Seilen, Regalbrettern und Bannern erstellen.
Zur Künstlerin
Marina Naprushkina ist Künstlerin, Feministin und Aktivistin. Ihre vielfältige künstlerische Praxis umfasst Video, Performance, Zeichnungen, Installationen und Text. Naprushkina arbeitet meist außerhalb institutioneller Räume, in Zusammenarbeit mit Communities und aktivistischen Organisationen, und konzentriert sich auf die Entwicklung neuer Formate, Strukturen und Organisationen, die auf selbstorganisierten Überlagerungen von Theorie und Praxis basieren. 2007 gründete sie das Office for Anti-Propaganda, das sich mit Machtstrukturen in Nationalstaaten befasst. 2013 initiierte Naprushkina das Sozialprojekt Neue Nachbarschaft/Moabit. Das Projekt entwickelte sich zu einer der größten Kunst- und Politikinitiativen in Berlin und baute eine starke Gemeinschaft von Menschen mit und ohne Migrations- und Flüchtlingshintergrund auf. Naprushkina wurde mit dem ECF Princess Margriet Award for Culture (2017) und dem Sussmann Artist Award (2015) ausgezeichnet. Sie nahm unter anderem an der Kyiv Biennale (2017), der 7. Berlin Biennale (2011) und der 11. Internationalen Istanbul Biennale (2009) teil. Naprushkina lehrt an der Universität der Künste Berlin.